rev. 31.12.2008

Brände - Module für Gefahren, Schutz, Ersten Angriff und Ermittlung. Modul 3: Brandursachenermittlung

title picture Title: Brände - Module für Gefahren, Schutz, Ersten Angriff und Ermittlung. Modul 3: Brandursachenermittlung
Author: Harald Hille
Editor: Wolfgang Gabler
Published: 2007
Verlag für Polizeiwissenschaft, Dr. Clemens Lorei, Frankfurt, Deutschland, 2007
ISBN: 978-3-935979-96-2
Format: 14,7 x 21,1 cm
Pages: 279

Dieses Buch gehört unzweifelhaft in die Kategorie 'Bücher, die die Welt nicht wirklich gebraucht hätte'.
Zieht man die für Vorwort, Hinweise, Lernzielkontrolle und Glossar verbrauchten Seiten vom Gesamtumfang von 279 Seiten des Buchs ab, verbleiben noch 176 Seiten zur Stoffvermittlung. Was an sich schon etwas mager ist. Richtig traurig wird die Geschichte aber erst, wenn man sich dem eigentlichen Inhalt des Büchleins zuwendet. Wird noch im Hinweis auf Seite 11 erläutert, daß zur Verbesserung der Verständlichkeit auf wenig geläufige Fremdwörter verzichtet würde und diese durch deutsche Synonyme ersetzt würden, hat der Autor diesen Vorsatz im Weiteren wohl vergessen. Vielmehr wurden sagar Fremdwörter durch andere, weniger treffende Fremdwörter ersetzt. Bsp.: 'Hypothese' wurde durch 'Version' ersetzt. Liest man im Fremdwörter-Duden nach, so steht dort zu 'Hypothese':

1. a) zunächst unbewiesene Annahme von Gesetzlichkeiten od. Tatsachen mit dem Ziel, sie durch Beweise zu verifizieren (1) od. zu falsifizieren (1) (als Hilfsmittel für wissenschaftliche Erkenntnisse); Vorentwurf für eine Theorie; b) Unterstellung, unbewiesene Voraussetzung.
2. Vordersatz eines hypothetischen Urteils (wenn A gilt, gilt auch B)
© Duden - Das Fremdwörterbuch. 7. Aufl. Mannheim 2001


und zu 'Version':

1. eine von mehreren möglichen Arten, einen bestimmten Sachverhalt auszulegen u. darzustellen.
2. Ausführung, die in einigen Punkten vom ursprünglichen Typ, Modell o. Ä. in bestimmter Weise abweicht.
3. a) eine von mehreren möglichen Darstellungen, Fassungen, Gestaltungsformen; b) Übersetzung
© Duden - Das Fremdwörterbuch. 7. Aufl. Mannheim 2001


Es handelt sich hierbei also keineswegs um gegeneinander austauschbare Synonyme.
In einem der grau hinterlegten Merksätze findet sich dann auch noch die Formulierung: '... modalen, temporalen und lokalen Bedingungen,... es wurden also ohne Not in einem einzigen Satz drei leicht zu ersetzende Fremdwörter verwendet, da man hier auch hätte schreiben können: '...die Art und Weise, sowie die zeitlichen und örtlichen Bedingungen,...', nur so als Beispiel.

Die vielen wiederholten Rechtschreibfehler, und ich meine hier ausdrücklich nicht einfache Tippfehler, in dem Buch lassen klar auf die Nichtbenutzung einer Rechtschreibprüfung, bzw. auf den Verzicht eines einfachen Lektorats schließen.

Nachdem die formalen Unzulänglichkeiten angesprochen sind, kommt nun die Betrachtung des fachlichen Inhalts.

Hier sieht es noch düsterer aus, als im formalen Bereich. Von Binsenweisheiten über unzureichend erläuterte Vorgehensweisen bis hin zu absolut falschen Erläuterungen und nebenbei sicher auch mal richtigen Feststellungen enthält dieses Büchlein alles, was man eigentlich nicht unbedingt wissen muß. Da aber ein in der Materie nicht sachkundiger Leser noch nicht unterscheiden kann, was richtig, bedingt richtig und was falsch ist, ist dieses Buch, nach Auffassung des Rezensenten, eher gefährlich als hilfreich.

Der Rückseitentext enthält folgenden Abschnitt:
'Von Experten und erprobten Ausbildern geschrieben und modulartig in einer Reihe untergebracht, lassen sich diese Werke für die Vorbereitung von Einsätzen zur Ermittlung der Brandursachen, deren Durchführung und Nachbereitung nutzen. Sie beinhalten alle relevanten Inhalte für die Qualifizierung zum Brandursachenermittler. Darüberhinaus kann es auch zur Fortbildung und Wissensauffrischung aller, die bereits als Brandursachenermittler tätig sind, dienen.'

Dieser Aussage muß auf das Heftigste widersprochen werden. Die Annahme, daß sich jemand mit dem in diesem Büchlein vermittelten (Un-)Wissen, das sich ausschließlich auf die Lektüre rein deutschsprachiger Literatur stützt, die überwiegend älter als zwanzig Jahre und teilweise älter als dreißig Jahre ist und welches einem Anspruch an Wissenschaftlichkeit sicher nicht gerecht werden kann, als Brandursachenermittler qualifizieren kann, hätte den Initiatoren von Hexenverbrennungsprozessen vielleicht ganz gut angestanden, kann aber heute nicht mehr akzeptiert werden.

Berücksichtigt man nun, daß die, die aktuellen Grundlagen dieses Tätigkeitfeldes beschreibende englischsprachige Literatur ca. 2000 Seiten umfaßt, allesamt erschienen im Zeitraum 2006 bis 2008, dann ist dies eigentlich auch nicht anders zu erwarten.

Für den Rezensenten bietet dieses Buch jedenfalls nicht mehr, als seinen Heizwert im Ofen und dafür ist es deutlich zu teuer.

Ingenieurbüro Frank Markmann
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Germany

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